Saarlandmuseum, Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner

Liegender weiblicher Akt

um 1909

Schwarze und rote Kreide auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Liegender weiblicher Akt
um 1909
Schwarze und rote Kreide auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Erich Heckel und Schmidt-Rottluff im Atelier

um 1909

Farbige Kreiden auf Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990

 

Ernst Ludwig Kirchner
Erich Heckel und Schmidt-Rottluff im Atelier
um 1909
Farbige Kreiden auf Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990
 

Ernst Ludwig Kirchner

Maler und zwei Akte im Atelier

1909

Radierung (Kaltnadel auf Messing) auf Kupferdruckpapier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner

 

Ernst Ludwig Kirchner
Maler und zwei Akte im Atelier
1909
Radierung (Kaltnadel auf Messing) auf Kupferdruckpapier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner
 

Max Pechstein

Liegender und hockender weiblicher Akt (Brief an Dr. Eduard Plietzsch vom 2.2.1911)

1911

Tusche und Aquarell

SHMH, Altonaer Museum

 

Max Pechstein
Liegender und hockender weiblicher Akt (Brief an Dr. Eduard Plietzsch vom 2.2.1911)
1911
Tusche und Aquarell
SHMH, Altonaer Museum
 

Erich Heckel

Sitzende und Liegende

1910

Holzschnitt

Museum Folkwang Essen

 

Erich Heckel
Sitzende und Liegende
1910
Holzschnitt
Museum Folkwang Essen
 

Ernst Ludwig Kirchner

Schlafendes Mädchen

um 1910

Tusche auf gelbem Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie



 

Ernst Ludwig Kirchner
Schlafendes Mädchen
um 1910
Tusche auf gelbem Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Karl Schmidt-Rottluff

Atelierpause

1911

Öl auf Leinwand

Hamburger Kunsthalle

 

Karl Schmidt-Rottluff
Atelierpause
1911
Öl auf Leinwand
Hamburger Kunsthalle
 

Ernst Ludwig Kirchner

Atelierszene

1907

Lithografie

Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein Bremen – Kupferstichkabinett

 

Ernst Ludwig Kirchner
Atelierszene
1907
Lithografie
Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein Bremen – Kupferstichkabinett
 

Ernst Ludwig Kirchner

Mädchen im Tub

um 1911

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Mädchen im Tub
um 1911
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Atelierszene

um 1910/1911

Federzeichnung, Tusche

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

 

Ernst Ludwig Kirchner
Atelierszene
um 1910/1911
Federzeichnung, Tusche
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett
 

Ernst Ludwig Kirchner

Fränzi mit Katze

um 1910

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Fränzi mit Katze
um 1910
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Katze

um 1910

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Katze
um 1910
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Erich Heckel

Sitzende Frau

1908

Farblithografie

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

 

Erich Heckel
Sitzende Frau
1908
Farblithografie
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
 

Erich Heckel

Paar in einem Innenraum (Postkarte an Maschka Mueller)

1910

Tusche, Bleistift, Farbstifte auf Postkarte

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

 

Erich Heckel
Paar in einem Innenraum (Postkarte an Maschka Mueller)
1910
Tusche, Bleistift, Farbstifte auf Postkarte
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett
 

Erich Heckel

Im Atelier

1909

Holzschnitt

Museum Folkwang Essen

 

Erich Heckel
Im Atelier
1909
Holzschnitt
Museum Folkwang Essen
 

Erich Heckel

Sitzender junger Mann

um 1910

Schwarze und farbige Kreide über Bleistift auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Erich Heckel
Sitzender junger Mann
um 1910
Schwarze und farbige Kreide über Bleistift auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner

Zwei weibliche Akte auf dem Sofa

1908

Pastell auf leicht strukturiertem, bräunlichgrauem Karton

Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel, Graphische Sammlung

 

Ernst Ludwig Kirchner
Zwei weibliche Akte auf dem Sofa
1908
Pastell auf leicht strukturiertem, bräunlichgrauem Karton
Kassel, Museumslandschaft Hessen Kassel, Graphische Sammlung
 

Erich Heckel

Liegender weiblicher Akt mit Hund

um 1911

Tusche und Farbkreide auf Blanko-Postkarte

Galerie Ludorff, Düsseldorf

Erich Heckel
Liegender weiblicher Akt mit Hund
um 1911
Tusche und Farbkreide auf Blanko-Postkarte
Galerie Ludorff, Düsseldorf

Ernst Ludwig Kirchner

Paar auf Canapee (Erich Heckel und Modell)

um 1908

Farbige Kreiden auf Bütten

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990

 

Ernst Ludwig Kirchner
Paar auf Canapee (Erich Heckel und Modell)
um 1908
Farbige Kreiden auf Bütten
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990
 

Erich Heckel

Mädchenakt

1908

Radierung

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

 

Erich Heckel
Mädchenakt
1908
Radierung
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
 

Ernst Ludwig Kirchner

Liegender Maler mit Spiegelbild (Erich Heckel)

um 1909

Kohle auf Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990

 

Ernst Ludwig Kirchner
Liegender Maler mit Spiegelbild (Erich Heckel)
um 1909
Kohle auf Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990
 

Max Pechstein

Liegender Rückenakt / Akte im Freien

1911

Öl auf Leinwand

Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren

 

Max Pechstein
Liegender Rückenakt / Akte im Freien
1911
Öl auf Leinwand
Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum Düren
 

Ernst Ludwig Kirchner

Tanzender Akt im Atelier

um 1911

Kohle auf grünbraunem Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1994

Ernst Ludwig Kirchner
Tanzender Akt im Atelier
um 1911
Kohle auf grünbraunem Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1994

Ernst Ludwig Kirchner

Sich waschendes Paar im Tub

um 1910

Schwarze Kreide auf Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990

 

Ernst Ludwig Kirchner
Sich waschendes Paar im Tub
um 1910
Schwarze Kreide auf Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990
 

Ernst Ludwig Kirchner

Nacktes und bekleidetes Mädchen

1910

Schwarze Kreide auf Papier

Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

 

Ernst Ludwig Kirchner
Nacktes und bekleidetes Mädchen
1910
Schwarze Kreide auf Papier
Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung
 

Ernst Ludwig Kirchner

Kirchner in seinem neuen Atelier tanzend (Postkarte an Erich Heckel vom 2.11.1909)

1909

Tuschfeder, Künstlerpostkarte

SHMH, Altonaer Museum



Im Herbst 1909 zog Ernst Ludwig Kirchner in die Erdgeschosswohnung der Berliner Straße 80 in der Dresdner Friedrichstadt. Die Postkarte, die Kirchner am 2. November 1909 mit den Worten „Bin glücklich Berlinerstr 80 part. [Parterre]“ an seinen Freund Erich Heckel schickte, zeigt den nackten Künstler bei seinem Freudentanz anlässlich des neu bezogenen Wohnateliers. Die Tuschfederzeichnung ist die erste bildliche Darstellung der markanten Zimmerecke mit den rechtwinklig angeordneten Türdurchgängen und dem immer wieder in Kirchners Atelierbildern auftauchenden Ofen. Dass Kirchner sich selbst nackt darstellte, ist für seine Zeit ungewöhnlich und unterstreicht den Ausdruck von Befreiung, den die „Brücke“-Künstler mit dem nackten Körper verbanden.

 

Ernst Ludwig Kirchner
Kirchner in seinem neuen Atelier tanzend (Postkarte an Erich Heckel vom 2.11.1909)
1909
Tuschfeder, Künstlerpostkarte
SHMH, Altonaer Museum

Im Herbst 1909 zog Ernst Ludwig Kirchner in die Erdgeschosswohnung der Berliner Straße 80 in der Dresdner Friedrichstadt. Die Postkarte, die Kirchner am 2. November 1909 mit den Worten „Bin glücklich Berlinerstr 80 part. [Parterre]“ an seinen Freund Erich Heckel schickte, zeigt den nackten Künstler bei seinem Freudentanz anlässlich des neu bezogenen Wohnateliers. Die Tuschfederzeichnung ist die erste bildliche Darstellung der markanten Zimmerecke mit den rechtwinklig angeordneten Türdurchgängen und dem immer wieder in Kirchners Atelierbildern auftauchenden Ofen. Dass Kirchner sich selbst nackt darstellte, ist für seine Zeit ungewöhnlich und unterstreicht den Ausdruck von Befreiung, den die „Brücke“-Künstler mit dem nackten Körper verbanden.
 

Erich Heckel

Kinder auf der Bank

1910

Holzschnitt

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

 

Erich Heckel
Kinder auf der Bank
1910
Holzschnitt
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
 

Erich Heckel

Kind mit Puppe

1909

Bleistiftzeichnung

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen



Erich Heckels spontane Bleistiftzeichnung Kind mit Puppe offenbart die ambivalente Wahrnehmung der Kindermodelle durch die „Brücke“-Künstler: Der motivische Reiz und die gestalterische Herausforderung lagen für sie in der naiven Unbefangenheit wie im erotischen Charisma der Dargestellten. Mit wenigen Strichen skizziert der Künstler das in das Spiel vertiefte Kind auf dem Bett. Die Puppe betont dessen naive Unschuld. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich die Nacktheit des Kindes – für den Künstler Symbol einer natürlichen Körperlichkeit. Die Sexualisierung von Minderjährigen ist heutzutage indiskutabel. Im historischen Kontext betrachtet war der Bezug zu kindlicher Sexualität ein anderer und auch gesellschaftlich weniger problematisiert.

 

Erich Heckel
Kind mit Puppe
1909
Bleistiftzeichnung
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Erich Heckels spontane Bleistiftzeichnung Kind mit Puppe offenbart die ambivalente Wahrnehmung der Kindermodelle durch die „Brücke“-Künstler: Der motivische Reiz und die gestalterische Herausforderung lagen für sie in der naiven Unbefangenheit wie im erotischen Charisma der Dargestellten. Mit wenigen Strichen skizziert der Künstler das in das Spiel vertiefte Kind auf dem Bett. Die Puppe betont dessen naive Unschuld. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich die Nacktheit des Kindes – für den Künstler Symbol einer natürlichen Körperlichkeit. Die Sexualisierung von Minderjährigen ist heutzutage indiskutabel. Im historischen Kontext betrachtet war der Bezug zu kindlicher Sexualität ein anderer und auch gesellschaftlich weniger problematisiert.
 

Erich Heckel

Liegende

1910

Farblithografie

Museum Folkwang Essen

 

Erich Heckel
Liegende
1910
Farblithografie
Museum Folkwang Essen
 

Erich Heckel

Liegende

1910

Lithografie

Museum Folkwang Essen

 

Erich Heckel
Liegende
1910
Lithografie
Museum Folkwang Essen
 

Ernst Ludwig Kirchner

Sitzender Akt vorm Spiegel

um 1909/1910

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Sitzender Akt vorm Spiegel
um 1909/1910
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Sich waschender Akt

1909

Lithografie, gelblich graues glattes Papier

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

 

Ernst Ludwig Kirchner
Sich waschender Akt
1909
Lithografie, gelblich graues glattes Papier
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett
 

Ernst Ludwig Kirchner

Badendes Paar im Atelier

um 1908

Kohle auf Papier

Privatsammlung Deutschland



 

Ernst Ludwig Kirchner
Badendes Paar im Atelier
um 1908
Kohle auf Papier
Privatsammlung Deutschland

 

Ernst Ludwig Kirchner

Sitzendes Mädchen

um 1910

Dunkelblaue Farbe auf gelbem Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Sitzendes Mädchen
um 1910
Dunkelblaue Farbe auf gelbem Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Lungerndes Artistenmädchen

1910

Holzschnitt auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie



Der Holzschnitt Lungerndes Artistenmädchen besticht durch seine radikale Flächigkeit. Auftreten und Körperhaltung des Mädchens zeugen von dessen außerordentlichem Selbstbewusstsein. In der gespreizten Beinhaltung manifestiert sich das erotische Potenzial, welches der Künstler dem Mädchenmodell zumaß. Diese aus heutiger Sicht befremdliche Interpretation der kindlichen Identität ist im Zusammenhang mit den reformerischen Diskursen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu sehen. Die Reformbewegungen propagierten die von bürgerlichen Zwängen befreite Körperlichkeit und schrieben der natürlichen Nacktheit des Kindes auch eine erotische Komponente zu. Gleichermaßen ist die abwertende Zuschreibung des „Lungerns“ vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Geringschätzung für das Schausteller- und Artistenmilieu in wilhelminischer Zeit zu verstehen

Ernst Ludwig Kirchner
Lungerndes Artistenmädchen
1910
Holzschnitt auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Der Holzschnitt Lungerndes Artistenmädchen besticht durch seine radikale Flächigkeit. Auftreten und Körperhaltung des Mädchens zeugen von dessen außerordentlichem Selbstbewusstsein. In der gespreizten Beinhaltung manifestiert sich das erotische Potenzial, welches der Künstler dem Mädchenmodell zumaß. Diese aus heutiger Sicht befremdliche Interpretation der kindlichen Identität ist im Zusammenhang mit den reformerischen Diskursen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu sehen. Die Reformbewegungen propagierten die von bürgerlichen Zwängen befreite Körperlichkeit und schrieben der natürlichen Nacktheit des Kindes auch eine erotische Komponente zu. Gleichermaßen ist die abwertende Zuschreibung des „Lungerns“ vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Geringschätzung für das Schausteller- und Artistenmilieu in wilhelminischer Zeit zu verstehen

Ernst Ludwig Kirchner

Fränzi und Marzella im Atelier

um 1910

Bleistift auf braunem Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie



Die 9-jährige Fränzi und die 14-jährige Marzella wurden von den „Brücke“-Künstlern auffallend häufig dargestellt und verkörperten für sie jeweils den Typus einer bestimmten Stufe von heranwachsender Weiblichkeit. Fränzi stand für das vorpubertäre Mädchen in seiner Unbefangenheit und kindlichen Unschuld. In der älteren Marzella sahen sie die allmählich erwachende Frau. Ihres eigenen Körpers bewusst, reagiert sie auf das Beobachtet-Werden mit Scham, wie ihre übereinandergeschlagenen Beine und die vor der Brust verschränkten Arme verdeutlichen. Trotz anderer Moralvorstellungen in der wilhelminischen Zeit erscheint es aus heutiger Sicht höchst fragwürdig, ob der Umgang der „Brücke“-Künstler mit der Unbedarftheit der minderjährigen Modelle zum Zwecke neuer künstlerischer Zielsetzungen ethisch zu rechtfertigen ist.

Ernst Ludwig Kirchner
Fränzi und Marzella im Atelier
um 1910
Bleistift auf braunem Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Die 9-jährige Fränzi und die 14-jährige Marzella wurden von den „Brücke“-Künstlern auffallend häufig dargestellt und verkörperten für sie jeweils den Typus einer bestimmten Stufe von heranwachsender Weiblichkeit. Fränzi stand für das vorpubertäre Mädchen in seiner Unbefangenheit und kindlichen Unschuld. In der älteren Marzella sahen sie die allmählich erwachende Frau. Ihres eigenen Körpers bewusst, reagiert sie auf das Beobachtet-Werden mit Scham, wie ihre übereinandergeschlagenen Beine und die vor der Brust verschränkten Arme verdeutlichen. Trotz anderer Moralvorstellungen in der wilhelminischen Zeit erscheint es aus heutiger Sicht höchst fragwürdig, ob der Umgang der „Brücke“-Künstler mit der Unbedarftheit der minderjährigen Modelle zum Zwecke neuer künstlerischer Zielsetzungen ethisch zu rechtfertigen ist.

Karl Schmidt-Rottluff

Sitzender Frauenakt

1911

Schwarze, gelbe, blaue und rote Kreide auf Velinpapier

Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung

 

Karl Schmidt-Rottluff
Sitzender Frauenakt
1911
Schwarze, gelbe, blaue und rote Kreide auf Velinpapier
Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung
 

Ernst Ludwig Kirchner

Akte

um 1909

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Akte
um 1909
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Erich Heckel

Sitzender weiblicher Akt

undatiert

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Erich Heckel
Sitzender weiblicher Akt
undatiert
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Akt auf blauem Grund

1911

Öl auf Leinwand, doubliert

Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See

 

Ernst Ludwig Kirchner
Akt auf blauem Grund
1911
Öl auf Leinwand, doubliert
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
 

Max Pechstein

Das Modell

1906

Holzschnitt, braunes Papier

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

 

Max Pechstein
Das Modell
1906
Holzschnitt, braunes Papier
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett
 

Ernst Ludwig Kirchner

Liegender Akt

1907

Holzschnitt auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Liegender Akt
1907
Holzschnitt auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Sitzender Mädchenakt

1906

Holzschnitt, Druck in Rot auf blauem Büttenpapier

Von der Heydt-Museum Wuppertal

 

Ernst Ludwig Kirchner
Sitzender Mädchenakt
1906
Holzschnitt, Druck in Rot auf blauem Büttenpapier
Von der Heydt-Museum Wuppertal
 

Max Pechstein

Stehender Akt

1908

Radierung und Aquatinta

Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein Bremen – Kupferstichkabinett

 

Max Pechstein
Stehender Akt
1908
Radierung und Aquatinta
Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein Bremen – Kupferstichkabinett
 

Max Pechstein

Zwei weibliche Akte

undatiert

Tusche auf Papier aufgeklebt auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Max Pechstein
Zwei weibliche Akte
undatiert
Tusche auf Papier aufgeklebt auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Sitzender weiblicher Akt

um 1909

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Sitzender weiblicher Akt
um 1909
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Sitzender Frauenakt (Halbakt)

1904/1905

Kohle auf Papier

Privatsammlung Deutschland

 

Ernst Ludwig Kirchner
Sitzender Frauenakt (Halbakt)
1904/1905
Kohle auf Papier
Privatsammlung Deutschland
 

Max Pechstein

Akt auf Teppich

1909

Lithografie auf Karton

Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See

 

Max Pechstein
Akt auf Teppich
1909
Lithografie auf Karton
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
 

Erich Heckel

Kniender weiblicher Akt

undatiert

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Erich Heckel
Kniender weiblicher Akt
undatiert
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Max Pechstein

Sitzendes Mädchen

1909

Kreidelithografie, chamoisfarbenes Kupferdruckpapier

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

 

Max Pechstein
Sitzendes Mädchen
1909
Kreidelithografie, chamoisfarbenes Kupferdruckpapier
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett
 

Erich Heckel

Frau am Spiegel

1908

Holzschnitt

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

 

Erich Heckel
Frau am Spiegel
1908
Holzschnitt
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
 

Ernst Ludwig Kirchner

Weiblicher Rückenakt vor dem Spiegel

um 1909

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Weiblicher Rückenakt vor dem Spiegel
um 1909
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Zwei nackte Mädchen im Atelier

um 1906/1907

Schwarze und farbige Kreide auf Papier

Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See

 

Ernst Ludwig Kirchner
Zwei nackte Mädchen im Atelier
um 1906/1907
Schwarze und farbige Kreide auf Papier
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See
 

Erich Heckel

Fränzi liegend

1910

Farbholzschnitt

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen



Der Farbholzschnitt Fränzi liegend ist im typisch flächigen „Brücke“-Stil gestaltet. Die Umrisslinien des liegenden Akts sind mit lapidarem Schnitt aus dem Druckstock geholt. Dargestellt ist die 9-jährige Lina Franziska „Fränzi“ Fehrmann, die auch in Werken Kirchners häufig zu sehen ist. Das junge Mädchen galt für die „Brücke“-Künstler als Inbegriff der vorpubertären Weiblichkeit. Für heutige Betrachter*innen ruft diese Darstellung eines Kindes – vor allem durch die Betonung der weiblichen Scham – Unbehagen und Ablehnung hervor. Die Inszenierung von Kindermodellen als Objekte männlicher Betrachtung ist heutzutage nicht mehr vertretbar. Für die Kunst um die Jahrhundertwende lag der Reiz des Kindes jedoch vor allem in seiner Vitalität, der unverdorbenen Natürlichkeit und seiner uneingeschränkten Bewegungsfreude.





 

Erich Heckel
Fränzi liegend
1910
Farbholzschnitt
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Der Farbholzschnitt Fränzi liegend ist im typisch flächigen „Brücke“-Stil gestaltet. Die Umrisslinien des liegenden Akts sind mit lapidarem Schnitt aus dem Druckstock geholt. Dargestellt ist die 9-jährige Lina Franziska „Fränzi“ Fehrmann, die auch in Werken Kirchners häufig zu sehen ist. Das junge Mädchen galt für die „Brücke“-Künstler als Inbegriff der vorpubertären Weiblichkeit. Für heutige Betrachter*innen ruft diese Darstellung eines Kindes – vor allem durch die Betonung der weiblichen Scham – Unbehagen und Ablehnung hervor. Die Inszenierung von Kindermodellen als Objekte männlicher Betrachtung ist heutzutage nicht mehr vertretbar. Für die Kunst um die Jahrhundertwende lag der Reiz des Kindes jedoch vor allem in seiner Vitalität, der unverdorbenen Natürlichkeit und seiner uneingeschränkten Bewegungsfreude.


 

Erich Heckel

Paar

1910

Holzschnitt von zersägtem und in Teilen eingefärbtem Stock in Schwarz und Blau

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

 

Erich Heckel
Paar
1910
Holzschnitt von zersägtem und in Teilen eingefärbtem Stock in Schwarz und Blau
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen
 

Ernst Ludwig Kirchner

Drei nackte Mädchen im Raum

1909

Kreidezeichnung und Aquarell

Privatsammlung, Dauerleihgabe an das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)

 

Ernst Ludwig Kirchner
Drei nackte Mädchen im Raum
1909
Kreidezeichnung und Aquarell
Privatsammlung, Dauerleihgabe an das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk)
 

Ernst Ludwig Kirchner

Badende im Raum

um 1909/1910

Kohle auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner
Badende im Raum
um 1909/1910
Kohle auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner

Das Atelier Berliner Straße 80

1909

Tusche, Feder, farbige Kreiden

SHMH, Altonaer Museum

Ernst Ludwig Kirchner
Das Atelier Berliner Straße 80
1909
Tusche, Feder, farbige Kreiden
SHMH, Altonaer Museum

Ernst Ludwig Kirchner

Badende im Raum

um 1909-1910 / nach 1926

Öl auf Leinwand

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Badende im Raum
um 1909-1910 / nach 1926
Öl auf Leinwand
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Interieur Brücke-Atelier, Berliner Straße 80, Dresden

1910

Kontaktabzug ab Glasnegativ auf Silbergelatine Baryt Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992



Kirchners eigenhändige Fotografien sind eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion seiner Wohn- und Arbeitswelt. Die bühnenartige Szene bezeugt den Stellenwert, den Kirchner der Inszenierung und Dokumentation seines Ateliers beimaß. Im Vordergrund ist eine selbstgeschnitzte Skulptur mit angeschnittenem Kopf vor dem markanten Medaillon-Vorhang platziert. Während die linke Seite des Vorhangs drei Bildfelder erkennen lässt, gibt die rechte Vorhangbahn den Blick auf das dahinterliegende Zimmer frei. Dort sind selbstgeschnitzte Hocker, ein gedeckter Tisch und ein Teil von Kirchners bemaltem Wandbehang zu sehen. Letzterer zeigt mehrere Liebespaare in einer Landschaft. Umrahmt werden diese Szenen von gemalten Arkadenbögen, auf denen einzelne hockende Aktfiguren dargestellt sind. Vorbilder für diese Aktmotive fand Kirchner auf verzierten Balken eines Männerklubhauses auf der Insel Palau in Mikronesien. Die sogenannten „Palau-Balken“ hatte der Künstler im Dresdner Völkerkundemuseum entdeckt.

 

Ernst Ludwig Kirchner
Interieur Brücke-Atelier, Berliner Straße 80, Dresden
1910
Kontaktabzug ab Glasnegativ auf Silbergelatine Baryt Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

Kirchners eigenhändige Fotografien sind eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion seiner Wohn- und Arbeitswelt. Die bühnenartige Szene bezeugt den Stellenwert, den Kirchner der Inszenierung und Dokumentation seines Ateliers beimaß. Im Vordergrund ist eine selbstgeschnitzte Skulptur mit angeschnittenem Kopf vor dem markanten Medaillon-Vorhang platziert. Während die linke Seite des Vorhangs drei Bildfelder erkennen lässt, gibt die rechte Vorhangbahn den Blick auf das dahinterliegende Zimmer frei. Dort sind selbstgeschnitzte Hocker, ein gedeckter Tisch und ein Teil von Kirchners bemaltem Wandbehang zu sehen. Letzterer zeigt mehrere Liebespaare in einer Landschaft. Umrahmt werden diese Szenen von gemalten Arkadenbögen, auf denen einzelne hockende Aktfiguren dargestellt sind. Vorbilder für diese Aktmotive fand Kirchner auf verzierten Balken eines Männerklubhauses auf der Insel Palau in Mikronesien. Die sogenannten „Palau-Balken“ hatte der Künstler im Dresdner Völkerkundemuseum entdeckt.
 

Ernst Ludwig Kirchner

Die Artisten Milly und Sam in Kirchners Atelier, Berliner Straße 80, Dresden

um 1910/1911

Kontaktabzug ab Glasnegativ auf Silbergelatine Baryt Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 2001



Die von Kirchner aufgenommene Fotografie zeigt die Schwarzen Artisten Milly und Sam, die wahrscheinlich dem Cirkus Schumann angehörten. Dieser gastierte 1909 und 1910 in Dresden. Heckel und Kirchner gewannen das Paar sowie dessen Kollegin Nelly als Modelle. Als Zirkusartisten und Schwarze Menschen galten sie in der wilhelminischen Gesellschaft als Außenseiter. Den „Brücke“-Künstlern dienten sie hingegen als Projektionsfläche für das Idealbild des ursprünglichen und naturverbundenen Menschen. Zugleich sind zahlreiche Aktdarstellungen der Modelle von dem im Kolonialismus ausgeprägten Bild der Hypersexualisierung Schwarzer Menschen bestimmt. Dieser diskriminierenden Inszenierung stehen andere Werke gegenüber, die einen realitätsfernen, romantisierenden und folkloristischen Blick auf das Zirkusleben und die Völkerschauen des 19. und 20. Jahrhunderts offenbaren.

 

Ernst Ludwig Kirchner
Die Artisten Milly und Sam in Kirchners Atelier, Berliner Straße 80, Dresden
um 1910/1911
Kontaktabzug ab Glasnegativ auf Silbergelatine Baryt Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 2001

Die von Kirchner aufgenommene Fotografie zeigt die Schwarzen Artisten Milly und Sam, die wahrscheinlich dem Cirkus Schumann angehörten. Dieser gastierte 1909 und 1910 in Dresden. Heckel und Kirchner gewannen das Paar sowie dessen Kollegin Nelly als Modelle. Als Zirkusartisten und Schwarze Menschen galten sie in der wilhelminischen Gesellschaft als Außenseiter. Den „Brücke“-Künstlern dienten sie hingegen als Projektionsfläche für das Idealbild des ursprünglichen und naturverbundenen Menschen. Zugleich sind zahlreiche Aktdarstellungen der Modelle von dem im Kolonialismus ausgeprägten Bild der Hypersexualisierung Schwarzer Menschen bestimmt. Dieser diskriminierenden Inszenierung stehen andere Werke gegenüber, die einen realitätsfernen, romantisierenden und folkloristischen Blick auf das Zirkusleben und die Völkerschauen des 19. und 20. Jahrhunderts offenbaren.
 

new Tag

Ernst Ludwig Kirchner

Nelly und Sidi Heckel (Riha), tanzend im Atelier von Erich Heckel, Dresden

um 1910/1911

Kontaktabzug ab Glasnegativ auf Silbergelatine Baryt Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

new Tag

Ernst Ludwig Kirchner
Nelly und Sidi Heckel (Riha), tanzend im Atelier von Erich Heckel, Dresden
um 1910/1911
Kontaktabzug ab Glasnegativ auf Silbergelatine Baryt Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

Karl Schmidt-Rottluff

Modell

1911

Farbholzschnitt, Druck von zwei Stöcken in den Farben Grün (mit Rückständen von Schwarz) und Rot

Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett



Dieser farbige Holzschnitt ist eine Besonderheit, da Karl Schmidt-Rottluff in seinen Grafiken fast ausschließlich in Schwarz-Weiß arbeitete. Hier stilisiert der Künstler den Körper des liegenden Modells zu einem expressiven Gefüge ineinander verzahnter Linien und Farbzonen. Besonders auffällig ist die konsequente Flächigkeit der Darstellung, die die Hierarchie zwischen Figur und Grund in Frage zu stellen scheint.

Karl Schmidt-Rottluff
Modell
1911
Farbholzschnitt, Druck von zwei Stöcken in den Farben Grün (mit Rückständen von Schwarz) und Rot
Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett

Dieser farbige Holzschnitt ist eine Besonderheit, da Karl Schmidt-Rottluff in seinen Grafiken fast ausschließlich in Schwarz-Weiß arbeitete. Hier stilisiert der Künstler den Körper des liegenden Modells zu einem expressiven Gefüge ineinander verzahnter Linien und Farbzonen. Besonders auffällig ist die konsequente Flächigkeit der Darstellung, die die Hierarchie zwischen Figur und Grund in Frage zu stellen scheint.

Erich Heckel

Zwei Mädchen im Atelier

1911

Lithografie

Museum Folkwang Essen



Die kantigen Formen des kindlichen Modells im Hintergrund stehen formal im Gegensatz zu den weiblichen Rundungen des vorderen Frauenakts. Während das Mädchen Arm und Beine schamhaft an den Körper schmiegt, präsentiert die Frau ihre weiblichen Reize offensiv. Die runden Formen ihres Körpers finden ihre formale Analogie in den Arkadenbögen des mit erotischen Motiven bemalten Wandbehangs, welcher die Szene im Nebenraum von Kirchners Atelier der Berliner Straße 80 verortet. Mit der Kombination konträrer Körperbilder in den zwei Akten unterläuft Heckel zwar hergebrachte ästhetische Konventionen, bedient sich jedoch zugleich ganz klassisch der erotischen Inszenierung des weiblichen Körpers.

 

Erich Heckel
Zwei Mädchen im Atelier
1911
Lithografie
Museum Folkwang Essen

Die kantigen Formen des kindlichen Modells im Hintergrund stehen formal im Gegensatz zu den weiblichen Rundungen des vorderen Frauenakts. Während das Mädchen Arm und Beine schamhaft an den Körper schmiegt, präsentiert die Frau ihre weiblichen Reize offensiv. Die runden Formen ihres Körpers finden ihre formale Analogie in den Arkadenbögen des mit erotischen Motiven bemalten Wandbehangs, welcher die Szene im Nebenraum von Kirchners Atelier der Berliner Straße 80 verortet. Mit der Kombination konträrer Körperbilder in den zwei Akten unterläuft Heckel zwar hergebrachte ästhetische Konventionen, bedient sich jedoch zugleich ganz klassisch der erotischen Inszenierung des weiblichen Körpers.
 

Karl Schmidt-Rottluff

Akte auf Teppich II

1911, gedruckt 1913

Holzschnitt auf Maschinenpapier

Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See

Karl Schmidt-Rottluff
Akte auf Teppich II
1911, gedruckt 1913
Holzschnitt auf Maschinenpapier
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See

Ernst Ludwig Kirchner

Skizze zweier Marokkaner

um 1910

Schwarze und farbige Kreiden auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner
Skizze zweier Marokkaner
um 1910
Schwarze und farbige Kreiden auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Erich Heckel

Zwei Mädchen im Atelier

1910

Holzschnitt

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Erich Heckel
Zwei Mädchen im Atelier
1910
Holzschnitt
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Ernst Ludwig Kirchner

Liegende Frau (Ruhe)

1911

Holzschnitt

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Ernst Ludwig Kirchner
Liegende Frau (Ruhe)
1911
Holzschnitt
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Erich Heckel

Zwei Frauen

1910

Holzschnitt

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Erich Heckel
Zwei Frauen
1910
Holzschnitt
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Ernst Ludwig Kirchner

Liegender weiblicher Akt im Atelier von Erich Heckel

1911

Bleistift, graugelbliches satiniertes Papier

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Ernst Ludwig Kirchner
Liegender weiblicher Akt im Atelier von Erich Heckel
1911
Bleistift, graugelbliches satiniertes Papier
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Erich Heckel

Liegendes Kind

1909/1910

Kaltnadelradierung, Flächenätzung

Museum Folkwang Essen

Erich Heckel
Liegendes Kind
1909/1910
Kaltnadelradierung, Flächenätzung
Museum Folkwang Essen

Erich Heckel

Stehendes Kind

1911

Farbholzschnitt

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen



Bei dem dargestellten Mädchen handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Lina Franziska „Fränzi“ Fehrmann, die der „Brücke“ ab 1909 für mehrere Jahre Modell stand. Das Mädchen fixiert uns aus den Augenwinkeln. Die mandelförmigen Augen des maskenhaft anmutenden Gesichts werden von geschwungenen Augenbrauen umrahmt, welche die Formen der Hügellandschaft im Hintergrund aufnehmen. Sie bilden einen Gegensatz zum schlanken, grazilen Körper des Modells. Die grüne Hügelkette mit dem stilisierten Baum kann als der gemalte Wandbehang Erich Heckels aus dessen Dresdner Atelier An der Falkenbrücke 2a identifiziert werden. Sind solche erotisierenden Kinderdarstellungen nach heutigen Normen untragbar, galt den „Brücke“-Künstlern das nackte Kind als positives Sinnbild einer noch ursprünglichen Natur.

Erich Heckel
Stehendes Kind
1911
Farbholzschnitt
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Bei dem dargestellten Mädchen handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Lina Franziska „Fränzi“ Fehrmann, die der „Brücke“ ab 1909 für mehrere Jahre Modell stand. Das Mädchen fixiert uns aus den Augenwinkeln. Die mandelförmigen Augen des maskenhaft anmutenden Gesichts werden von geschwungenen Augenbrauen umrahmt, welche die Formen der Hügellandschaft im Hintergrund aufnehmen. Sie bilden einen Gegensatz zum schlanken, grazilen Körper des Modells. Die grüne Hügelkette mit dem stilisierten Baum kann als der gemalte Wandbehang Erich Heckels aus dessen Dresdner Atelier An der Falkenbrücke 2a identifiziert werden. Sind solche erotisierenden Kinderdarstellungen nach heutigen Normen untragbar, galt den „Brücke“-Künstlern das nackte Kind als positives Sinnbild einer noch ursprünglichen Natur.

Ernst Ludwig Kirchner

Vier weibliche Akte im Atelier

1911

Gouache und Farbkreide

Leihgabe aus Privatbesitz im Schloßmuseum Murnau



Die farbenprächtige Gouache- und Farbkreidezeichnung Vier weibliche Akte im Atelier vermittelt einen Eindruck von der intensiven Farbigkeit des Interieurs in Kirchners Dresdner Atelier. Das Werk zeigt die typischen, selbstgeschaffenen Einrichtungsgegenstände. Auf der rechten Seite ist der markante gelbe Medaillon-Vorhang zu sehen, dessen nach oben drapierte rechte Vorhangbahn das obere Bildfeld erkennen lässt. Besonders sticht der blau-grüne Paravent hervor. Die Schrägen der fluchtenden Achsen unterstreichen die kantigen, reduzierten Körperformen der Akte. Als Sichtschutz und Raumteiler steht er aufgeklappt hinter den drei vorderen Figuren. Das Kissen, auf dem der linke Akt sitzt, hatte der Künstler mit einem Zickzackmuster in javanischer Batiktechnik verziert.

Ernst Ludwig Kirchner
Vier weibliche Akte im Atelier
1911
Gouache und Farbkreide
Leihgabe aus Privatbesitz im Schloßmuseum Murnau

Die farbenprächtige Gouache- und Farbkreidezeichnung Vier weibliche Akte im Atelier vermittelt einen Eindruck von der intensiven Farbigkeit des Interieurs in Kirchners Dresdner Atelier. Das Werk zeigt die typischen, selbstgeschaffenen Einrichtungsgegenstände. Auf der rechten Seite ist der markante gelbe Medaillon-Vorhang zu sehen, dessen nach oben drapierte rechte Vorhangbahn das obere Bildfeld erkennen lässt. Besonders sticht der blau-grüne Paravent hervor. Die Schrägen der fluchtenden Achsen unterstreichen die kantigen, reduzierten Körperformen der Akte. Als Sichtschutz und Raumteiler steht er aufgeklappt hinter den drei vorderen Figuren. Das Kissen, auf dem der linke Akt sitzt, hatte der Künstler mit einem Zickzackmuster in javanischer Batiktechnik verziert.

Ernst Ludwig Kirchner

Nackte Dodo im Atelier mit bemaltem Vorhang

um 1911

Bleistift auf Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990

Ernst Ludwig Kirchner
Nackte Dodo im Atelier mit bemaltem Vorhang
um 1911
Bleistift auf Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990

Erich Heckel

Zwischen Vorhängen

1911

Aquarell

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Erich Heckel
Zwischen Vorhängen
1911
Aquarell
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Ernst Ludwig Kirchner

Atelierszene

um 1910

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie



Die Tuschfederzeichnung Atelierszene gibt einen intimen Einblick in Kirchners Wohn- und Arbeitswelt im Dresdner Atelier Berliner Straße 80. Das zwanglose Agieren der Modelle im Atelier, das Kirchner hier zum Thema macht, steht für die enge Verbindung von alltäglichem Leben und künstlerischen Schaffen der „Brücke“. Gleichzeitig erscheinen die drei Akte inmitten des von außereuropäischen Kulturen inspirierten Interieurs wie in einem Bühnenbild inszeniert. Neben dem charakteristischen Medaillon-Vorhang ist im Nebenraum ein weiterer von Kirchner gestalteter Wandbehang sichtbar.

Ernst Ludwig Kirchner
Atelierszene
um 1910
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Die Tuschfederzeichnung Atelierszene gibt einen intimen Einblick in Kirchners Wohn- und Arbeitswelt im Dresdner Atelier Berliner Straße 80. Das zwanglose Agieren der Modelle im Atelier, das Kirchner hier zum Thema macht, steht für die enge Verbindung von alltäglichem Leben und künstlerischen Schaffen der „Brücke“. Gleichzeitig erscheinen die drei Akte inmitten des von außereuropäischen Kulturen inspirierten Interieurs wie in einem Bühnenbild inszeniert. Neben dem charakteristischen Medaillon-Vorhang ist im Nebenraum ein weiterer von Kirchner gestalteter Wandbehang sichtbar.

Ernst Ludwig Kirchner

Nacktes Mädchen mit Tuch und roten Pantoffeln (Atelier Dresden)

1910/1911

Aquarell und Bleistift auf Papier

Sprengel Museum Hannover, Kunstbesitz der Landeshauptstadt Hannover

Ernst Ludwig Kirchner
Nacktes Mädchen mit Tuch und roten Pantoffeln (Atelier Dresden)
1910/1911
Aquarell und Bleistift auf Papier
Sprengel Museum Hannover, Kunstbesitz der Landeshauptstadt Hannover

Ernst Ludwig Kirchner

Nackte Mädchen im Atelier

1911

Lithografie auf Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990

Ernst Ludwig Kirchner
Nackte Mädchen im Atelier
1911
Lithografie auf Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990

Karl Schmidt-Rottluff

Liegender Akt (Postkarte an Ida Dehmel)

1911

Feder, Tusche, Farbstifte

Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg

Karl Schmidt-Rottluff
Liegender Akt (Postkarte an Ida Dehmel)
1911
Feder, Tusche, Farbstifte
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg

Karl Schmidt-Rottluff

Akt vor dem Vorhang

1911

Farblithografie

Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Karl Schmidt-Rottluff
Akt vor dem Vorhang
1911
Farblithografie
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett

Ernst Ludwig Kirchner

Exote

um 1910/1911

Tusche, farbige Kreide auf Zeichenblockpapier

Bündner Kunstmuseum Chur, Dauerleihgabe Sammlung Werner Coninx



Bei der Figur des Exoten handelt es sich um dasselbe Modell wie in Max Pechsteins Gemälde Inder und Frauenakt. Der markante schwarze Schnurrbart, die breiten Augenbrauen und das dichte schwarze Haar weisen deutlich auf das identische Vorbild. Anhand des figürlichen Wandbehangs im Hintergrund lässt sich Kirchners Zeichnung zudem in Pechsteins Berliner Atelier verorten. Die Bezeichnung des Modells als „Exote“ ist eine eurozentristische Ästhetisierung des „Fremden“. Der Begriff diente Europäer*innen als Projektionsfläche für eigene Sehnsüchte wie Ursprünglichkeit der Existenz, Naturverbundenheit oder sexuelle Freizügigkeit. Gleichzeitig wurde dem „Exotischen“ auch Bedrohlichkeit und Unkontrollierbarkeit zugeschrieben und so Vorstellungen von „Primitivität“ und „Unzivilisiertheit“ transportiert.

Ernst Ludwig Kirchner
Exote
um 1910/1911
Tusche, farbige Kreide auf Zeichenblockpapier
Bündner Kunstmuseum Chur, Dauerleihgabe Sammlung Werner Coninx

Bei der Figur des Exoten handelt es sich um dasselbe Modell wie in Max Pechsteins Gemälde Inder und Frauenakt. Der markante schwarze Schnurrbart, die breiten Augenbrauen und das dichte schwarze Haar weisen deutlich auf das identische Vorbild. Anhand des figürlichen Wandbehangs im Hintergrund lässt sich Kirchners Zeichnung zudem in Pechsteins Berliner Atelier verorten. Die Bezeichnung des Modells als „Exote“ ist eine eurozentristische Ästhetisierung des „Fremden“. Der Begriff diente Europäer*innen als Projektionsfläche für eigene Sehnsüchte wie Ursprünglichkeit der Existenz, Naturverbundenheit oder sexuelle Freizügigkeit. Gleichzeitig wurde dem „Exotischen“ auch Bedrohlichkeit und Unkontrollierbarkeit zugeschrieben und so Vorstellungen von „Primitivität“ und „Unzivilisiertheit“ transportiert.

Ernst Ludwig Kirchner

Tänzerinnen im Atelier II

1911

Radierung (Kaltnadel auf Messing) auf Kupferdruckpapier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

Ernst Ludwig Kirchner
Tänzerinnen im Atelier II
1911
Radierung (Kaltnadel auf Messing) auf Kupferdruckpapier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

Ernst Ludwig Kirchner

Tänzerinnen im Atelier I

1911

Radierung (Kaltnadel auf Messing) auf imitiertem Japanpapier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

Ernst Ludwig Kirchner
Tänzerinnen im Atelier I
1911
Radierung (Kaltnadel auf Messing) auf imitiertem Japanpapier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1992

Erich Heckel

Drei Tanzende (Postkarte an Rosa Schapire)

1910

Farbige Kreide über Feder in Schwarz

Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett

Erich Heckel
Drei Tanzende (Postkarte an Rosa Schapire)
1910
Farbige Kreide über Feder in Schwarz
Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett

Ernst Ludwig Kirchner

Zwei Frauen im Atelier

1910/1911

Kohle, schwarze und farbige Kreiden auf gelb-orangefarbenem Papier

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1994

Ernst Ludwig Kirchner
Zwei Frauen im Atelier
1910/1911
Kohle, schwarze und farbige Kreiden auf gelb-orangefarbenem Papier
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1994

Erich Heckel

Akt im Raum

1910

Aquarell

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Erich Heckel
Akt im Raum
1910
Aquarell
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Ernst Ludwig Kirchner

Liegender und sitzender weiblicher Akt (Zwei Akte)

um 1906

Farbkreide auf Papier

Galerie Ludorff, Düsseldorf

 

Ernst Ludwig Kirchner
Liegender und sitzender weiblicher Akt (Zwei Akte)
um 1906
Farbkreide auf Papier
Galerie Ludorff, Düsseldorf
 

Ernst Ludwig Kirchner

Zwei Modelle im Atelier

um 1908/1909

Farbige Kreidezeichnung

Privatsammlung Deutschland

Ernst Ludwig Kirchner
Zwei Modelle im Atelier
um 1908/1909
Farbige Kreidezeichnung
Privatsammlung Deutschland

Ernst Ludwig Kirchner

Selbstporträt in Kammer

1907

Lithografie auf graubraunem Büttenpapier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner
Selbstporträt in Kammer
1907
Lithografie auf graubraunem Büttenpapier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Max Pechstein

Inder und Frauenakt / Früchte

1910

Öl auf Leinwand, doppelseitig bemalt

Sammlung Hinterfeldt



Die Leinwand offenbart zwei eindrucksvolle Gemälde Pechsteins. Auf der Rückseite ist ein Früchtestillleben dargestellt. Die ebenfalls farbenprächtige Vorderseite zeigt zwei Aktfiguren in ungewöhnlichem Ausschnitt. Der sitzende Männerakt – augenscheinlich außereuropäischer Abstammung – ist durch den Titel als Inder identifizierbar. Obwohl das Gesicht der Frau gleichfalls eine exotisierende Physiognomie zeigt, scheint es sich um Charlotte Kaprolat, Pechsteins langjähriges Modell und Partnerin, zu handeln. Die Modelle stehen für das ungezwungene Miteinander der Geschlechter. Die Darstellung zeugt von Pechsteins Faszination für Menschen außereuropäischer Kulturen. Durch ihre Namenlosigkeit sind sie jedoch eines wichtigen Teils ihrer Identität beraubt. Für Pechstein, dessen größter Wunsch es war, das Leben der ozeanischen „Naturvölker“ zu teilen, versinnbildlichen diese People of Color ein mit dem „Fremden“ verbundenes Ideal unverfälschter Natürlichkeit und Naturnähe

Max Pechstein
Inder und Frauenakt / Früchte
1910
Öl auf Leinwand, doppelseitig bemalt
Sammlung Hinterfeldt

Die Leinwand offenbart zwei eindrucksvolle Gemälde Pechsteins. Auf der Rückseite ist ein Früchtestillleben dargestellt. Die ebenfalls farbenprächtige Vorderseite zeigt zwei Aktfiguren in ungewöhnlichem Ausschnitt. Der sitzende Männerakt – augenscheinlich außereuropäischer Abstammung – ist durch den Titel als Inder identifizierbar. Obwohl das Gesicht der Frau gleichfalls eine exotisierende Physiognomie zeigt, scheint es sich um Charlotte Kaprolat, Pechsteins langjähriges Modell und Partnerin, zu handeln. Die Modelle stehen für das ungezwungene Miteinander der Geschlechter. Die Darstellung zeugt von Pechsteins Faszination für Menschen außereuropäischer Kulturen. Durch ihre Namenlosigkeit sind sie jedoch eines wichtigen Teils ihrer Identität beraubt. Für Pechstein, dessen größter Wunsch es war, das Leben der ozeanischen „Naturvölker“ zu teilen, versinnbildlichen diese People of Color ein mit dem „Fremden“ verbundenes Ideal unverfälschter Natürlichkeit und Naturnähe

Erich Heckel

Stilleben mit Negermaske

1912

Öl auf Leinwand

Saarlandmuseum – Moderne Galerie



Das in Rot-Braun-Tönen gehaltene Gemälde gibt Einblick in Heckels Berliner Ateliergestaltung. Als Gegenstück zur runden Makonde-Maske wählte der Künstler eine verzierte Kalebasse aus Kamerun. Im Hintergrund ist ein orangefarbener Rindenstoff drapiert. Maske und Rindenstoff sind nachweislich Geschenke von Heckels Bruder, der als Ingenieur in Deutsch-Ostafrika arbeitete. Der Titel des Werks enthält eine rassistische Fremdbezeichnung. Schwarze Menschen verbinden das „N.-Wort“ mit rassistischen Stereotypen, Leid, Diskriminierung und Gewalt. Als ein Konstrukt der Kolonialzeit wurde es verwendet, um Menschen nach Rassen einzuteilen, Machtverhältnisse zu untermauern und unterdrückende Strukturen zu festigen. Das von Heckel in diesem Bild beschworene Ideal eines einfachen und naturverbundenen Lebens auf dem afrikanischen Kontinent deckt sich keineswegs mit der Realität indigener Menschen in der Kolonialzeit.

Erich Heckel
Stilleben mit Negermaske
1912
Öl auf Leinwand
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Das in Rot-Braun-Tönen gehaltene Gemälde gibt Einblick in Heckels Berliner Ateliergestaltung. Als Gegenstück zur runden Makonde-Maske wählte der Künstler eine verzierte Kalebasse aus Kamerun. Im Hintergrund ist ein orangefarbener Rindenstoff drapiert. Maske und Rindenstoff sind nachweislich Geschenke von Heckels Bruder, der als Ingenieur in Deutsch-Ostafrika arbeitete. Der Titel des Werks enthält eine rassistische Fremdbezeichnung. Schwarze Menschen verbinden das „N.-Wort“ mit rassistischen Stereotypen, Leid, Diskriminierung und Gewalt. Als ein Konstrukt der Kolonialzeit wurde es verwendet, um Menschen nach Rassen einzuteilen, Machtverhältnisse zu untermauern und unterdrückende Strukturen zu festigen. Das von Heckel in diesem Bild beschworene Ideal eines einfachen und naturverbundenen Lebens auf dem afrikanischen Kontinent deckt sich keineswegs mit der Realität indigener Menschen in der Kolonialzeit.

Makonde Maske

19. Jahrhundert

Holz

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen



Die ausdrucksstarke männliche Kultmaske war fester Bestandteil von Heckels Atelierausstattung und taucht mehrfach in seinen Werken auf. Manfred Heckel, der Bruder des Künstlers, arbeitete als Bauingenieur in Deutsch-Ostafrika, von wo er die Makonde-Maske 1912 mitbrachte. Sie stammt aus dem heutigen Tansania oder dem benachbarten Mosambik. Solche Masken wurden im rituellen midimu-Tanz anlässlich von Initiationen, Begräbnissen oder zur Unterhaltung getragen. Es gilt zu berücksichtigen, dass Kirchner und Heckel – wie auch viele andere Vertreter der Avantgarde – außereuropäische Objekte isoliert von ihrem kulturellen Kontext betrachteten und für ihre neu entwickelte Bildsprache vor allem als formale Anregung benutzten. Eine vertiefte Auseinandersetzung der Künstler mit der jeweiligen Kultur, der die außereuropäischen Objekte entstammen, ist meist nicht belegt.

Makonde Maske
19. Jahrhundert
Holz
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Die ausdrucksstarke männliche Kultmaske war fester Bestandteil von Heckels Atelierausstattung und taucht mehrfach in seinen Werken auf. Manfred Heckel, der Bruder des Künstlers, arbeitete als Bauingenieur in Deutsch-Ostafrika, von wo er die Makonde-Maske 1912 mitbrachte. Sie stammt aus dem heutigen Tansania oder dem benachbarten Mosambik. Solche Masken wurden im rituellen midimu-Tanz anlässlich von Initiationen, Begräbnissen oder zur Unterhaltung getragen. Es gilt zu berücksichtigen, dass Kirchner und Heckel – wie auch viele andere Vertreter der Avantgarde – außereuropäische Objekte isoliert von ihrem kulturellen Kontext betrachteten und für ihre neu entwickelte Bildsprache vor allem als formale Anregung benutzten. Eine vertiefte Auseinandersetzung der Künstler mit der jeweiligen Kultur, der die außereuropäischen Objekte entstammen, ist meist nicht belegt.

Ernst Ludwig Kirchner

Milli

um 1910

Schwarze und farbige Kreiden auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Milli
um 1910
Schwarze und farbige Kreiden auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie
 

Ernst Ludwig Kirchner

Negerartist aus dem Circus Schumann

um 1910

Schwarze und farbige Kreiden auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner
Negerartist aus dem Circus Schumann
um 1910
Schwarze und farbige Kreiden auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner

Marokkaner

1910

Schwarze und farbige Kreiden auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner
Marokkaner
1910
Schwarze und farbige Kreiden auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Ernst Ludwig Kirchner

Negerartist

um 1910

Schwarze und farbige Kreiden auf Papier

Saalandmuseum – Moderne Galerie

 

Ernst Ludwig Kirchner
Negerartist
um 1910
Schwarze und farbige Kreiden auf Papier
Saalandmuseum – Moderne Galerie
 

Erich Heckel

Porträt von Fränzi

um 1910

Tusche auf Papier

Saarlandmuseum – Moderne Galerie



Die Tuschfederzeichnung gibt in wenigen schnell gesetzten Strichen das abstrahierte Gesicht der jungen Fränzi in eigenwillig exotisierender Interpretation wieder. Die kantigen, zum Kinn spitz zulaufenden Züge erinnern an afrikanische Masken, wie sie die „Brücke“-Künstler im Dresdner Völkerkundemuseum sahen. Die vollen aufgeworfenen Lippen, die flach skizzierte Nase und die großen schmalen Augen haben etwas Karikaturhaftes und erinnern an bis heute verbreitete rassistisch-stereotype Darstellungen Schwarzer Menschen.

Erich Heckel
Porträt von Fränzi
um 1910
Tusche auf Papier
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Die Tuschfederzeichnung gibt in wenigen schnell gesetzten Strichen das abstrahierte Gesicht der jungen Fränzi in eigenwillig exotisierender Interpretation wieder. Die kantigen, zum Kinn spitz zulaufenden Züge erinnern an afrikanische Masken, wie sie die „Brücke“-Künstler im Dresdner Völkerkundemuseum sahen. Die vollen aufgeworfenen Lippen, die flach skizzierte Nase und die großen schmalen Augen haben etwas Karikaturhaftes und erinnern an bis heute verbreitete rassistisch-stereotype Darstellungen Schwarzer Menschen.

Emil Nolde

Exotische Figuren (Affen)

1912

Öl auf Leinwand

Saarlandmuseum – Moderne Galerie



Emil Nolde trat 1906 der „Brücke“ bei, war jedoch nur bis Ende 1907 aktives Mitglied. Wie die anderen „Brücke“-Künstler war auch er fasziniert von der Farb- und Formvielfalt außereuropäischer Kunst. Noldes Haltung war von der Suche nach dem „Urwesen“ des Menschen geprägt und dabei getragen von einer heute indiskutablen Rassenmystik. In zahlreichen Bildern baut er aus Stücken seiner immensen Sammlung von Artefakten aus aller Welt irrationale, fantastische Kompositionen. Problematisch erscheint hier die bizarre Verquickung von fetischartiger Affenfigur, lebendem Affen und parodistisch aufgefasstem Schwarzen Menschen mit grotesk übersteigerter Physiognomie. Gerade die Gegenüber- und Gleichstellung des Menschen mit den im Titel genannten Affen zeugt von den rassenkundlichen Denkstrukturen, die zur Entstehungszeit des Gemäldes salonfähig waren. Zudem ist die Bezeichnung „exotisch“ eine eurozentristische Ästhetisierung des „Fremden“ und eindeutig durch die Kolonialisierung geprägt.

Emil Nolde
Exotische Figuren (Affen)
1912
Öl auf Leinwand
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Emil Nolde trat 1906 der „Brücke“ bei, war jedoch nur bis Ende 1907 aktives Mitglied. Wie die anderen „Brücke“-Künstler war auch er fasziniert von der Farb- und Formvielfalt außereuropäischer Kunst. Noldes Haltung war von der Suche nach dem „Urwesen“ des Menschen geprägt und dabei getragen von einer heute indiskutablen Rassenmystik. In zahlreichen Bildern baut er aus Stücken seiner immensen Sammlung von Artefakten aus aller Welt irrationale, fantastische Kompositionen. Problematisch erscheint hier die bizarre Verquickung von fetischartiger Affenfigur, lebendem Affen und parodistisch aufgefasstem Schwarzen Menschen mit grotesk übersteigerter Physiognomie. Gerade die Gegenüber- und Gleichstellung des Menschen mit den im Titel genannten Affen zeugt von den rassenkundlichen Denkstrukturen, die zur Entstehungszeit des Gemäldes salonfähig waren. Zudem ist die Bezeichnung „exotisch“ eine eurozentristische Ästhetisierung des „Fremden“ und eindeutig durch die Kolonialisierung geprägt.

Erich Heckel

Schlafende Negerin

1910

Holzschnitt

Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen



Die Darstellung in diesem Holzschnitt ist von einem durchgängigen Exotismus bestimmt. Die betonte Mund- und Augenpartie der Schlafenden offenbart die rassistisch-stereotype Darstellung von Schwarzen Menschen. Der Griff an die Brust als Zeichen der Sinnlichkeit des Modells geht auf das vom Kolonialismus geprägte Bild der Hypersexualisierung Schwarzer Menschen und ihrer vermeintlichen Triebhaftigkeit zurück. Demgegenüber steht der romantisierende Blick des Künstlers auf die friedlich Schlafende. Das im Titel verwendete „N.-Wort“ ist ebenfalls mit vielzähligen Stereotypen verbunden. Als Konstrukt der Kolonialzeit wurde es verwendet, um Menschen nach „Rassen“ einzuteilen und Machtverhältnisse zu untermauern. Aus diesem Grund verbinden Schwarze Menschen mit dem Begriff Diskriminierung, Leid, Gewalt und Entmenschlichung.

Erich Heckel
Schlafende Negerin
1910
Holzschnitt
Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

Die Darstellung in diesem Holzschnitt ist von einem durchgängigen Exotismus bestimmt. Die betonte Mund- und Augenpartie der Schlafenden offenbart die rassistisch-stereotype Darstellung von Schwarzen Menschen. Der Griff an die Brust als Zeichen der Sinnlichkeit des Modells geht auf das vom Kolonialismus geprägte Bild der Hypersexualisierung Schwarzer Menschen und ihrer vermeintlichen Triebhaftigkeit zurück. Demgegenüber steht der romantisierende Blick des Künstlers auf die friedlich Schlafende. Das im Titel verwendete „N.-Wort“ ist ebenfalls mit vielzähligen Stereotypen verbunden. Als Konstrukt der Kolonialzeit wurde es verwendet, um Menschen nach „Rassen“ einzuteilen und Machtverhältnisse zu untermauern. Aus diesem Grund verbinden Schwarze Menschen mit dem Begriff Diskriminierung, Leid, Gewalt und Entmenschlichung.

Max Pechstein

Lupinenstilleben mit afrikanischer Figur

1917

Öl auf Leinwand

Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Max Pechstein
Lupinenstilleben mit afrikanischer Figur
1917
Öl auf Leinwand
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Erich Heckel

Mädchen mit Muschelkette

1910

Holzschnitt

Museum Folkwang Essen

Erich Heckel
Mädchen mit Muschelkette
1910
Holzschnitt
Museum Folkwang Essen

Erich Heckel

Schlafende

1910

Holzschnitt auf Velin

Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See

Erich Heckel
Schlafende
1910
Holzschnitt auf Velin
Buchheim Museum der Phantasie, Bernried am Starnberger See

Ernst Ludwig Kirchner

Fränzi neben geschnitztem Stuhl (Mädchenakt)

um 1910

Aquarell

Museum Biberach, Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Ernst Ludwig Kirchner
Fränzi neben geschnitztem Stuhl (Mädchenakt)
um 1910
Aquarell
Museum Biberach, Dauerleihgabe aus Privatbesitz

Erich Heckel

Drei Mädchen

1910/1911

Wachskreide

Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Erich Heckel
Drei Mädchen
1910/1911
Wachskreide
Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Ernst Ludwig Kirchner

Drei Akte

1911

Holzschnitt

Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Ernst Ludwig Kirchner
Drei Akte
1911
Holzschnitt
Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Ernst Ludwig Kirchner

Weiblicher Akt im Spiegel

um 1909/1910

Zeichnung in Ölpastellkreide auf Papier

Kunsthalle Emden



Kirchners Akt im Spiegel sitzt im Dresdner Atelier Berliner Straße 80 vor einem Türdurchgang auf dem Boden. Seine Erscheinung ist von der spitzwinkligen Haltung der zum Körper angezogenen Arme und Beine geprägt. Der vom Künstler geschnitzte Türpfosten rechts im Hintergrund lässt eine schlanke, hochgewachsene Frauengestalt erkennen. Auf dem Spiegel dahinter zeichnet sich neben dem Rücken des Akts ein Fries mit stilisierten menschlichen Figuren ab, der einem weiteren Ausstattungselement des Ateliers angehört. So entfaltet Kirchner ein korrelierendes Spiel zwischen gemalter, geschnitzter, gespiegelter und „real“ agierender Figur.

Ernst Ludwig Kirchner
Weiblicher Akt im Spiegel
um 1909/1910
Zeichnung in Ölpastellkreide auf Papier
Kunsthalle Emden

Kirchners Akt im Spiegel sitzt im Dresdner Atelier Berliner Straße 80 vor einem Türdurchgang auf dem Boden. Seine Erscheinung ist von der spitzwinkligen Haltung der zum Körper angezogenen Arme und Beine geprägt. Der vom Künstler geschnitzte Türpfosten rechts im Hintergrund lässt eine schlanke, hochgewachsene Frauengestalt erkennen. Auf dem Spiegel dahinter zeichnet sich neben dem Rücken des Akts ein Fries mit stilisierten menschlichen Figuren ab, der einem weiteren Ausstattungselement des Ateliers angehört. So entfaltet Kirchner ein korrelierendes Spiel zwischen gemalter, geschnitzter, gespiegelter und „real“ agierender Figur.

Ernst Ludwig Kirchner

Akt auf Hocker (Kamerun) – Kauernde Dodo

um 1910

Bleistift auf Papier

Galerie Ludorff, Düsseldorf

Ernst Ludwig Kirchner
Akt auf Hocker (Kamerun) – Kauernde Dodo
um 1910
Bleistift auf Papier
Galerie Ludorff, Düsseldorf

Ernst Ludwig Kirchner

Hockendes Geschöpf

um 1909

Muschelkalk

Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990

 

Ernst Ludwig Kirchner
Hockendes Geschöpf
um 1909
Muschelkalk
Kirchner Museum Davos, Schenkung Nachlass Ernst Ludwig Kirchner 1990