Synagoge Wiesenbronn

Treppenhaus zur Männersynagoge

Die Männer betraten das Gebäude durch den Hauptzugang und  gelangten über eine einmal gewendelte Treppe in das Obergeschoß. Von dort betraten sie direkt den Betsaal.

Ehemaliger Zugang nur für Frauen

Der Zugang entstand bauseitig 1792 und dient als solcher bis 1890. Ab dieser Zeit gab es einen gemeinsamen Zugang an anderer Stelle.

Treppenwange

Der Verlauf der Treppe zum Betsaal im Obergeschoß kann anhand der Treppenwange, die sich in der Farbgebung der Wand deutlich abzeichnet, gut nachvollzogen werden.

Befund an der ehemaligen Stubendecke

Der Restaurator legte mir einer sog. Befundtreppe insgesamt 63 Farbfassungen frei die im Laufe von 150 Jahren auf die Decke aufgetragen wurden.

Befunde an der Stubenwand

Durch einen 1950 vorgebauten Kamin wurden die historischen Farbfassungen seit der Bauzeit erhalten.

Das Tauchbecken

Um 1850 richtete man eine Grundwasser-Mikwe ein. Das 2,8 Meter tiefe Tauchbecken konnte mit Wasser aus einem Heizkessel erwärmt werden. Durch das vollständige Untertauchen des Körpers erfolgte die rituelle Reinigung nach jüdischer Tradition.

Standort Wasserkessel

Gleichzeitig mit dem Einbau der Mikwe errichtete man einen massiven Wasserkessel. Das erhitzte Wasser wurde dem Grundwasser im Tauchbecken zugeführt, um besonders im Winter die Wassertemperatur erträglich zu machen. Die mit Ziegelstein ausgelegte im Fußboden und die graue Wandfläche zeigt den ehemaligen Standort des Kessels auf. An der Wand sind Reste von Rußspuren zu erkennen.

Das ehemalige Badezimmer

Im Jahre 1965 wurde in die ehemalige Mikwe mit dem verfüllten Tauchbecken ein modernes Badezimmer eingebaut. Die erhaltenen Fliesen und Wasserleitungsrohre zeugen von dem damaligen Zeitgeschmack.

Zwischenwand

Um 1850 entstand diese mehrfach veränderte Zwischenwand. Wenige Holzreste belegen eine ursprüngliche Fachwerkwand, die beim Einbau der Mikwe um 1850 weitgehend durch Ziegelstein ersetzt wurde.

Eisenträger statt Balken

Die beständige Luftfeuchtigkeit und insbesondere der Wasserdampf aus dem Kessel zerstörten die Deckenbalken. Um 1890 ersetzte man die Balkendecke durch ein „preußisches Kappengewölbe“, bestehend aus Eisenträger, deren Zwischenräume mit Ziegelstein ausgefüllt wurden.

Massiver Bodenbelag

Aufgrund der beständigen Feuchtigkeit bestand der Fußboden in der Mikwe aus Sandsteinplatten. Aufgrund der vorgefundenen Reste wurde der neue Belag entsprechen gestaltet.

Immer wieder neu

Die bis ca. 1925 genutzte Mikwe erhielt während einer Zeitspanne von nur 30 Jahren insgesamt sieben verschiedene Farbfassungen. Es überwiegen helle Töne. Bei der Renovierung wählte man die gelbe Fassung aus der Zeit um 1900.

Verfüllung des Tauchbeckens

Während des Umbaus zum Wohnhaus im Jahre 1850 verfüllte man das Tauchbecken mit Abbruchmaterial, vor allem Ziegelstein und Putzreste. Im Jahre 2012 erfolgte die Freilegung des Beckens, wobei einige interessante Funde zu Tage traten.

Treppe ins Obergeschoß

Die Zwischenwand entstand erst während des Umbaus 1950. Vorher begann hier die Treppe für die Männer zum Betsaal im Obergeschoß.  

Zugang zur Mikwe

Um 1850 baute man ein Mikwe ein. Vorher wurde der Raum von der Familie des Rabbiners als Kammer genutzt. Der Rabbiner bzw. Vorsänger bewohnte seit 1836 ein gesondertes Gebäude.

Zugang zur Küche und Stube

Vom Hausgang aus führte ein schmaler Zugang zur kleinen Küche. Der kleine Flur gestattete den Zutritt auch zur Wohnstube.

Alte und neue Raumaufteilung

Beim Umbau des Erdgeschosses 1950 wurde auch die Raumeinteilung stark verändert. Die vorher vorhandene Raumaufteilung kann an den verschiedenen Farbfassungen der Wände nachvollzogen werden. Die Farbe Weiß weist auf einen Wandeinbau 1950 hin. Grau deutet den Standort einer ehemaligen Zwischenwand an. Die Farbe Gelb ist der Wohnstube vorbehalten und Grün der ehemaligen Schlafkammer. Die Küche ist an der Farbe Blau zu erkennen.

Schicht auf Schicht

Während der Restaurierungsarbeiten in den Jahren 2007 bis 2011 wurden mehrere „Befundfenster“ angelegt. Dort kann die frühere Bemalung und die Schichtenabfolge nachvollzogen werden. Hier weist der rote Strich auf die letzte Farbschicht des Treppenhauses vor dem Umbau zum Wohnhaus hin.

Mauerabdrücke in der Decke für Stube und Küche.

Der Befund an der Decke deutet auf die ehemalige Raumaufteilung hin. Der sichtbare Lehm weist auf die ehemalige Fachwerkwand zwischen Flur und Stube hin und die schwarze Schicht auf eine massive „Feuerwand“ zwischen Küche und Stube

Öffnung für Ofenrohr

Beim Einbau eines Wasserkessels für die Erwärmung des Mikwenwassers um 1850 führte man das Ofenrohr durch diese Öffnung in der Kammerwand über die Wohnstube zum Kamin in der Küche.  

Vom Treppenhaus zur Küche

Bereits 1950 wurde das ehemalige Treppenhaus zu Wohnräumen umfunktioniert.

Küche

Der 1977 stillgelegte und teilweise abgebrochene Mauerkamin wurde 2011 reaktiviert und dient als Rauchabzug für einen Kochherd in der Küche (links hinten) und einen Holzofen im ehemaligen Betsaal.

Ehemalige Deckenöffnung

Der Deckenbalken wurde 1950 hier eingesetzt und war vorher Bestandteil der Brüstung auf der Frauenempore. Auf die ehemalige Verwendung des Balkens weisen die sog. Zapfenlöcher hin, die für die jetzige Funktion keine Bedeutung haben. Vorher befand sich hier die Deckenöffnung für die Zugangstreppe vom Erdgeschoss zum Obergeschoss.

Küche des Rabbi

Nur eine kleine, sogenannte „Rauchküche“, diente der Essenzubereitung. Das Kochfeuer brannte auf einem offenen Herd und der Rauch wurde über eine Rauchhaube an der Decke zum Kamin und schließlich ins Freie geführt. Neben einer einfachen Anrichte gab es nur ein Wandregal für das Kochgeschirr.

Wohnstube und Lehrzimmer

Die Wohnung für den Rabbiner umfasste neben der kleinen Küche eine relativ großzügige Stube mit direkt anschließender Schlafkammer. Die Wohnstube war der einzige Raum, der mit einem Kachelofen beheizt werden konnte. Neben Tisch und Sitzmöbel stand hier auch der Schrank zur Aufbewahrung von Geschirr und weiteren Haushaltsgegenständen. Die Stube fungierte als Allzweckraum für die ganze Familie und als Lehrzimmer für die jüdischen Kinder, die dort im biblischen und rabbinischen Schrifttum unterrichtet wurden.

Die frühere Raumaufteilung

Beim Umbau des Erdgeschosses 1950 wurde auch die Raumeinteilung stark verändert. Die vorher vorhandene Raumaufteilung kann an den verschiedenen Farbfassungen der Wände nachvollzogen werden. Die Farbe Weiß weist auf einen Wandeinbau 1950 hin. Grau deutet den Standort einer ehemaligen Zwischenwand an. Die Farbe Gelb ist der Wohnstube vorbehalten und Grün der ehemaligen Schlafkammer.  

Licht in der Stube

Nur noch ein kleines Fenster belichtet die ehemalige Wohnstube. Vor dem Umbau 1950 trat das Licht durch zwei großformatige Fenster in den Raum. Deren Lage kann anhand der ockerfarben Flächen nachvollzogen werden.

Schlafkammer des Rabbi

Direkt von der Stube aus zugänglich befand sich die Schlafkammer an der Ostseite des Gebäudes. Die Einrichtung war kärglich, außer zwei Betten stand dort eine Truhe zur Aufbewahrung von Kleidung.

Die Frauenempore

Der jüdische Gottesdient kennt die Trennung in Männer- und Frauensynagoge. Als letztere diente eine Empore, die rund ein Drittel der Gesamtfläche einnahm und auf zwei Säulen in den Hauptsaal ragte. Über der Emporebrüstung war ein Gitter als Sichtschutz angebracht. Dort wohnten die Frauen dem Gottesdienst bei. Eine Teilnahmepflicht gab es für sie nicht.  

Truhe des Seligmann Bamberger

Der Standort dieser Truhe war das Wohnhaus des berühmten Seligmann Bär Bamberger. Die Truhe ist mit der Jahreszahl 1817 datiert und wurde vermutlich im Haushalt der Familie Bamberger genutzt.Bild: Geburtshaus Seligmann Bär Bamberger

Bima oder Almemor

Erhöhter, abgegrenzter Platz in der Synagoge, von dem aus die Tora vorgelesen wird. Die 1938 bei der Profanierung des Betsaales abgebaute Bima war aus Holz gefertigt und wurde als „einfache klassizistische Arbeit“ bezeichnet.

Südseite

Im Jahre 1787 erhielt die jüdische Gemeinde Wiesenbronn vom Markgrafen in Ansbach die Genehmigung zum Neubau einer Synagoge. Fünf Jahre später, 1792, war das Gebäude fertiggestellt; am 16. Februar 1793 erfolgte die feierliche Einweihung. Die Männer betraten die Synagoge durch den Haupteingang und gelangten über eine Treppe zum Betsaal. Für die Frauen gab es eine gesonderte Türe in der Westfassade des Gebäudes. Eine schmale Treppe, getrennt vom Männeraufgang durch eine Bretterwand, führte zur Frauenempore.  Ab 1890 führte ein gemeinsamer neuer Zugang für Männer und Frauen in das Gebäude 1950 wurde die Türe zum Fenster umgestaltet, wie es bis 1890 der Fall war). Im Treppenhaus gelangte man zu einer ebenfalls gemeinsamen, breiten Treppe, die durch ein Geländer geteilt war. Rechts stiegen die Männer zum Betsaal empor, links die Frauen zur Frauenempore.

Westfassade (Schaufassade)

Als 1886 aufgrund eines Blitzschlages die Reparatur des Westgiebels erforderlich wurde, nutzte man die Gelegenheit, eine vollkommen neue, öffentlich einsehbare, repräsentative Schaufassade zu schaffen. Dem damaligen Baustil entsprechend entstand eine steinsichtige Giebelmauer aus Quadersteinen, die durch drei Fensterachsen sorgfältig gegliedert ist. Die Fassade mit ihrem ortsprägenden Charakter nimmt mit der Wirkung im öffentlichen Raum gerade in der heutigen Zeit auch die Funktion eines gewichtige Erinnerungsortes ein.

Alte und neue Raumaufteilung

Beim Umbau des Erdgeschosses 1950 wurde auch die Raumeinteilung stark verändert. Die vorher vorhandene Raumaufteilung kann an den verschiedenen Farbfassungen der Wände nachvollzogen werden. Die Farbe Weiß weist auf einen Wandeinbau 1950 hin. Grau deutet den Standort einer ehemaligen Zwischenwand an. Die Farbe Gelb ist der Wohnstube vorbehalten und Grün der ehemaligen Schlafkammer. Die Küche ist an der Farbe Blau zu erkennen.  

Bima oder Almemor

Erhöhter, abgegrenzter Platz in der Synagoge, von dem aus die Tora vorgelesen wird. Die 1938 bei der Profanierung des Betsaales abgebaute Bima war aus Holz gefertigt und wurde als „einfache klassizistische Arbeit“ bezeichnet. Foto: Die Rekonstruktion der Bima von 1792

Allgemeine Einführung

Im Erdgeschoss der ehem. Synagoge informieren mehrere Räume über die Geschichte der Synagoge, über die jüdische Gemeinde Wiesenbronn und über das Zusammenleben von Juden und Christen. Schließlich wird auch die allgemeine Ortsgeschichte thematisiert, u. a. mit archäologischen Objekten.An der Eröffnung der Dokumentationsräume in der Synagoge im Jahre 2016, verbunden mit einem Erinnerungsabend an den „Würzburger Raw“ Seligmann Bär Bamberger, nahmen viele Gäste teil, darunter (von links nach rechts) Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Michaela Hüßner, Reinhard Hüßner, Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster, Albrecht Fürst zu Castell-Castell und Michael Glos, ehem. Bundeswirtschaftsminister.

ehem. Treppenhaus (ehem. Türe, jetzt Fenster)

Durch zwei getrennte Eingänge betraten Männer und Frauen dieses Gebäude. Von hier aus gelangten sie über zwei getrennte Treppen nach oben in den Betsaal bzw. auf die Empore. Um 1885 wurde der neue gemeinsame Zugang geschaffen. Die breite Treppe teilte man mittig durch ein Geländer. Die linke Seite war für die Frauen, die rechte für die Männer bestimmt.

Ballotage

Die „Ballotage“ – Ein Objekt der Demokratiegeschichte. In der deutschen und europäischen Demokratiegeschichte traten auch Vereine für die politische Teilhabe ein. Das galt vor allem für die Abstimmungen mittels einer „Ballotage“. Unter „Ballotage“ versteht man die „geheime Abstimmung durch Abgabe weißer oder schwarzer Kugeln“. In Wiesenbronner Vereinen war dieses Verfahren seit 1863 üblich. Die erhaltene Ballotage wurde 1902 mit 60 weißen und 60 schwarzen Kugeln für 1,20 Mark angeschafft.[Zum 3D Modell der Ballotage](https://skfb.ly/pqK7W)

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Einweihung

Wie es einem besonderen Gebäude zusteht, fanden zwei Feierlichkeiten zur Fertigstellung statt. Das Ende der Renovierungsarbeiten wurde mit einem Festakt 2013 gefeiert. Gäste und Grußwortredner waren u. a. der Generalskonservator Dr. Egon Greipl und S. D. Albrecht Fürst zu Castell-Castell. Zwei Jahre später, 2015, wurden im Beisein von zahlreichen Ehrengästen die Dokumentationsräume im Erdgeschoß des Gebäudes der Öffentlichkeit übergeben. Damit verbunden war ein Seligmann Bär Bamberger Abend, der an den berühmten Würzburger Rabbiner erinnert, der in Wiesenbronn geboren und aufgewachsen war.
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