Museum Zill & Engler Likör- und Spirituosenfabrik

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Drogenorgel

Hier sehen Sie eine Sammlung verschiedenster Zutaten die in der Spirituose eingesetzt werden können. Aber keine Sorge- Drogen im traditionellen Sinne des Wortes. Also getrocknete Kräuter, Wurzeln, Samen und Schalen- Die sogenannten Botanicals.

Willkommen im Museum & historische Tracht

Schon am Eingang begegnet Ihnen diese lebensgroße Figur, gekleidet in einer traditionellen vogtländischen Tracht. Die auffälligste Besonderheit ist die Buckelhaube, ein kunstvoll gearbeiteter Kopfschmuck, der früher ein fester Bestandteil der Festtagskleidung war. Gefertigt wurde sie aus feinem Stoff, oft aufwendig bestickt und mit glänzenden Metallfäden oder Perlen verziert. Die Tracht selbst erzählt viel über die Region: Sie war Ausdruck von Heimat, Zusammenhalt und manchmal auch von sozialem Stand. Farben, Muster und Stoffe unterschieden sich von Ort zu Ort – und jede Gemeinde hatte ihren eigenen Stil. Was Sie hier sehen, ist also weit mehr als ein schönes Kleidungsstück: Es ist ein Stück lebendige Kulturgeschichte des Vogtlands. Wir laden Sie ein, nun weiter in die Welt der Handwerkskunst, des Destillateur Wesens und der regionalen Geschichte einzutauchen.

Spirituosenregal

Hier finden Sie Spirituosen aus den sechziger Jahren – mit Originalverschluss und Schrumpfkapsel. Gerettet wurden diese Flaschen aus einem ehemaligen Gasthaus aus Unterheinsdorf. Ein Stück flüssige Spirituosen-Geschichte.

Werbekostüm zum Tag der Sachsen

Extra zum Tag der Sachsen im Jahr 2007 wurde dieses Kostüm mit markantem Hut und „ geistreichem Bauchladen „ angefertigt. Zum Festumzug durch Reichenbach wurden Kostproben verteilt und eine bleibende Erinnerung geschaffen.

Selbstansaugende Kreiselpumpe

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten in einer Likörfabrik, und statt einer alten Kolbenpumpe, die ständig ruckelt und stottert, haben Sie plötzlich dieses Gerät hier: eine selbstansaugende Kreiselpumpe. Sie läuft ruhig, gleichmäßig und pumpt große Mengen Flüssigkeit, als wäre es nichts. Genau diese konstante Förderleistung machte sie zum Star der Produktionshallen – und zum Grund, warum Kolbenpumpen nach und nach verschwanden. Eine echte Arbeitserleichterung, damals wie heute.

Perkolator aus Steinzeug

Hier steht ein Gerät, das auf den ersten Blick aussieht wie ein harmloser Steinkrug – tatsächlich ist es aber ein echtes Multitalent aus der Vergangenheit: ein Perkolator aus Steinzeug. Mit ihm wurden früher Pflanzen, Kräuter oder Gewürze so gründlich ausgelaugt, dass wirklich jedes Aroma herausgekitzelt wurde. Man könnte also sagen: Das ist die historische Variante eines „Alles-muss-raus“-Verfahrens. Der Perkolator funktioniert denkbar einfach: Oben wird die Droge – also die Kräuter oder Früchte – eingefüllt, darüber kommt der Alkohol, und dann sickert die Flüssigkeit langsam durch das Material nach unten. Ganz gemächlich, aber äußerst effektiv. Am Ende fließt unten ein aromatisches Extrakt heraus, das sich wunderbar für Liköre, Geiste oder Kräuteransätze eignet. Warum Steinzeug? Ganz einfach: Es ist geschmacksneutral, robust und lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Es reagiert nicht mit dem Alkohol und sorgt dafür, dass nur das herauskommt, was herauskommen soll – nämlich das gute Aroma.

Dreschflegel

Mit diesem Werkzeug wurden früher Körner aus den Ähren geschlagen. Dieser Dreschflegel war ein Geschenk eines befreundeten cunsdorfer Bauernguts und stellt den wichtigen Zusammenhang von Alkoholherstellung und Landwirtschaft dar: Ohne natürliche Rohstoffe aus der Landwirtschaft gibt es auch keine Spirituosen.

Die Flasche mit Wanderlust

Diese Flasche hier hat eine bewegte Vergangenheit – im wahrsten Sinne des Wortes. Eigentlich stand sie ständig im Weg. Mal war sie hier, mal dort, dann wieder irgendwo dazwischen. Wir haben sie so oft von A nach B geräumt, dass sie fast als Mitarbeiterin im Museum durchgegangen wäre. Doch dann kam die Überraschung: Die Urenkel von Herrn Engler schickten uns ein Foto – genau das, das Sie hinter der Flasche an der Wand sehen. Und darauf ist nicht nur Herr Engler selbst zu erkennen, sondern auch genau diese wanderfreudige Flasche. Festgehalten auf dem 27. Sächsischen Gastwirtschaftsverbandstag im Jahr 1913 in Chemnitz, stolz präsentiert und offensichtlich schon damals mit einer beachtlichen Bühnenpräsenz. Seit diesem Moment hat die Flasche natürlich einen festen Platz bekommen. Wer so viel Geschichte mitbringt, wird nicht mehr einfach herumgeschoben. Jetzt steht sie hier – ausnahmsweise völlig im Weg – aber diesmal mit voller Absicht.

Vierstellenabfüller – „Hebel rüber, Hebel nüber“

Hier beginnt die eigene Abfüllgeschichte. Mit diesem Apparat wurden zwei Flaschen gleichzeitig befüllt, je nach Hebelstellung. Für 0,35 und 0,7 Liter gab es austauschbare Einsätze. Und natürlich hatte die Belegschaft ihren Spaß – daher der Spitzname: „Hebel rüber, Hebel nüber.“

Vitrine mit ersten Sorten

Diese Vitrine zeigt den Anfang. Die ersten Flaschen, die ersten Sorten, die ersten Etiketten. Vieles wurde in 0,7 oder 0,35 Liter abgefüllt, Miniaturen gab es nur für besondere Anlässe.

versteinerte Haifischzähne

Das kann passieren, wenn man E‘ Drecketen in die USA schickt. Dieser Halsschmuck aus versteinerten Haifischzähnen kam als Dankeschön der vor vielen Jahren nach Florida ausgewanderten Reichenbacher zu uns. Ein schönes Beispiel dafür, wie Spirituosen kleine Geschichten über Kontinente hinweg schreiben.

Handmischgerät– mit Wodkastampfer

Hier sehen Sie ein Gerät, das Kraft verlangt. Viel Kraft. Zuerst der klassische Holzstampfer – das ursprüngliche Handmischgerät bestehend aus einer schweren Holzstange mit einer gelochten Grundplatte. Mit ihm wurden Spirituosen früher tatsächlich von Hand vermischt. Kein Motor, keine Kurbel, nur Muskelkraft. Damit wurde auch unser eigener Wodka gestampft – und wer das gemacht hat, wusste am Abend genau, warum sich Handwerk „Hand“-Werk nennt. Gestampft wurde in einen Kupferbehälter, innen verzinkt. Darin wurden Wasser und Alkohol angesetzt – oft bis zu 200 Liter. Nach 15 bis 20 Minuten Mischen konnte man sich das Fitnessstudio sparen. Wodka wurde früher nicht einfach hergestellt – er wurde erarbeitet.

Hauptbuch

Dieses große Buch ist ein Stück Unternehmensgeschichte. Jede Rechnung, jeder Kunde, jeder Vorgang wurde handschriftlich eingetragen. Nichts durfte entfernt oder verändert werden. Ein lebendiges Archiv des Geschäftsalltags – und ein Blick in eine Zeit, in der die Region noch voller kleiner Händler und Gaststätten war. Sollte in diesem Hauptbuch ein Schriftzug nicht 100% akkurat ausgeführt sein, kannte man die Ursache_ Der Buchhalter muss wohl wieder die Tropfschalen im Spirituosenlager kontrolliert haben.

DKW-Motorrad

DKW – das kleine Wunder. (fährt bergauf -genau wie runter) Mit diesem Motorrad, Baujahr 1940, was auch meinem Großvater gute Dienste leistete, fuhr ich tatsächlich zur Lehre. Es war zuverlässig, leicht und überall einsatzbereit. Ein Stück bewegte Firmen- und Familiengeschichte.

Holzfass

Hier passiert Magie. Die Spirituose atmet durch das Holz, nimmt Aromen auf und verliert etwas Alkohol – den berühmten „Angel’s Share“. Am Ende entsteht ein weicheres, harmonischeres Produkt. Jedes Fass erzählt seine eigene Geschichte, die man schmeckt.

Drogenkammer

Hier wird es geheim: In diesem Raum lagert alles, was wir für unsere Aromen und Destillate brauchen – die echten „Zauberzutaten“ sozusagen. Von exotischen Gewürzen bis zu alten Kräutern, alles sorgfältig sortiert. Die alten Waagen, sind für so manche überlieferten Rezepturen noch immer im Einsatz. Schließen Sie die Augen – und stellen Sie sich den Duft von Nelke, Zimt, Salbei vor…

Faßlampe

Ganz unscheinbar – aber sehr wichtig. Mit dieser Lampe, geschützt durch ein Metallgehäuse, hat man früher Fässer von innen auf Beschädigungen und Verunreinigungen kontrolliert.

Glasballon

Glasballons sind die ruhigen Arbeiter der Lagerung., geschmacksneutral und luftdicht. Perfekt für Destillate, Weine oder kleinere Mengen Spirituosen.

Handverschließer

Flasche drunter, Hebel ziehen, fertig – zumindest fast. Jede Flasche wurde einzeln verschlossen. Eine einfache Maschine, die viel Geduld, aber auch viel Routine erforderte.

Lagergefäße aus Steinzeug

Diese massiven Steinzeugbehälter wirken unzerstörbar – sind es aber leider nicht. Schon als Kinder wurden wir im Spirituosenlager darauf immer wieder hingewiesen , Abstand zu den Ablasshähnen zu halten, da sie wie Glas brechen. Dafür haben sie andere Vorzüge: Sie sind geschmacksneutral, licht- und gasdicht. Ideal also, wenn Spirituosen nur harmonisieren und lagern sollen, aber nicht reifen.

Wasserbad-Destillierapparat mit Kupferhelm

Hier sehen Sie das Herzstück der feinen Geistherstellung. Ein Wasserbaddestillierapparat, der die Rohstoffe besonders schonend erhitzt. Das Wasserbad sorgt dafür, dass nichts anbrennt, und der Kupferhelm erledigt einen weiteren Zaubertrick: Er bindet Schwefelverbindungen und reinigt die Dämpfe ganz natürlich. Das Ergebnis? Ein wunderbar klarer, sauberer, aromatischer Geist. Wer Kupfer einmal im Einsatz erlebt hat, weiß: Das Metall ist der heimliche Held jeder guten Brennerei.

Spezielle Kreiselpumpe für Schichtenfilter

Diese Pumpe ist ein kleiner Spezialist. Sie wurde gezielt für Schichtenfilter entwickelt – und lief mit einer Leistung von rund 1.500 Litern pro Stunde. Statt teurem Edelstahl genügte eine robuste Spezialbronze. Ein Stück clevere Ingenieurskunst, das in vielen Likörfabriken unverzichtbar wurde.

Einmaischtopf aus Steingut

In diesem schlichten, aber zuverlässigen Steinguttopf wurden Obst und Beeren angesetzt. Gerade Steingut ist ideal: neutral, beständig und angenehm temperiert. Wer damals Maische ansetzte, arbeitete oft mit genau solchen Behältern – ein stiller Klassiker der Brennereikultur.

Handkurbelmischer

Und hier die Komfortversion. Mit einer Kurbel ließ sich wesentlich effizienter mischen als mit einem Holzstampfer. Für damalige Verhältnisse war das schon ein kleines Luxusgerät – und eine spürbare Entlastung für jeden Arm.

Mohr-Westphalsche Waage

Eine elegante, beinahe wissenschaftliche Erscheinung: Diese Waage misst die Dichte von Flüssigkeiten, indem ein Glasgewicht unterschiedlich tief eintaucht. Über Reitgewichte stellt man die Waage ein – und liest präzise Werte ab. Ein unverzichtbares Werkzeug, wenn man Alkoholgehalte und Zuckerwerte exakt bestimmen musste.

Zuckerkochkessel

Der Zuckerkochkessel war eine Mischung aus Risiko und Routine. In diesem verzinnten Kupferkessel konnte man Zucker, Wasser und Zitronensäure zu Invertzucker verändern. Dabei spritzte der heiße Sirup oft gefährlich umher – lange Ärmel waren also Pflicht. Wer diesen Kessel bediente, wusste am Ende des Tages, was er geleistet hatte.

Zylinderfilter

Ein runder, fein gearbeiteter Filter aus verzinntem und vernickeltem Kupfer. Das silberne Filtergewebe verhinderte, dass empfindliche Spirituosen einen Fremdgeschmack annehmen. Ein kleines Stück Feinmechanik – mit großer Wirkung.

Pistorius-Kühlbecken

Direkt auf der Brennblase sitzt dieses unscheinbare, aber äußerst wichtige Becken – das sogenannte Pistorius-Kühlbecken. Seine Aufgabe klingt simpel, ist aber entscheidend für die Qualität des Destillats: Es kühlt bestimmte aufsteigende Alkoholdämpfe so weit ab, dass sie kondensieren und teilweise wieder zurück in die Brennblase laufen. Man kann es sich vorstellen wie einen Türsteher in der Destillation. Die schweren, weniger feinen Dämpfe werden aufgehalten und zurückgeschickt, während die leichteren, hochwertigen Aromakomponenten passieren dürfen. Dieses Prinzip ergänzt den Helm der klassischen Pot-Still-Destillation um eine einfache Wasserkühlung und ermöglichte mehr Kontrolle und Reinheit.

Platten- oder Schichtenfilter

Wenn Sie sich fragen, wie Spirituosen klar und ohne Schwebstoffe in die Flasche kommen, schauen Sie hier genau hin. Ein Schichtenfilter zieht die Flüssigkeit durch mehrere feine Filterschichten – von grob bis ganz fein. Das Ergebnis ist eine blanke, stabile Spirituose. Auch heute wird dieses Filtersystem noch angewandt.

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